So schlemmt man in Afghanistan – Bamyan (München)

Wer Afghanistan hört, denkt vermutlich erst einmal an furchtbare Dinge wie Kriegsszenarien oder Flüchtlinge, bei deren Schicksal man eine Gänsehaut bekommt. An hervorragendes Essen denken bei diesem Land die wenigsten. Doch, wer ausgezeichnetes Fleisch, raffiniert zubereitetes Gemüse und außergewöhnliche Reisbeilagen probieren möchte, ist hier genau richtig aufgehoben. Aber von Anfang an.

Diesmal sollten es neue, andersartige Aromen sein, die unseren Gaumen in Urlaubsfeeling versetzten und an diesem Freitag das Wochenende einläuten. Lange haben wir nach einem „unorthodoxem“ Restaurant gesucht. Freundin B. und ich sind dann auf das Bamyan Narges gestoßen. Ein kleines aber feines afghanisches Restaurant im Münchner Glockenbachviertel. Der Parkplatz war in einer der zahlreichen Seitenstraßen schneller gefunden als gedacht und das kulinarische Experiment konnte Starten.

Das kleine Restaurant ist gut besucht, als wir ankommen. Freundlich werden wir gebeten an der Bar Platz zu nehmen bis die Gäste, die gerade noch an unserem Tisch gegessen haben, in Ruhe gezahlt haben. Wir nutzen die Zeit zu einem kleinen Plausch und natürlich zu einem ersten Blick in die Speisekarte. Fragende Blicke werfen wir uns zu und es wird still, bis eine von uns sagt: „Was wollen wir denn essen? Hört sich alles gut an, aber ich kann mir darunter nicht wirklich etwas vorstellen.“ Es scheint als sieht die äußerst zuvorkommende Bedienung unsere Blicke und kommt um zumindest unsere Getränkebestellung entgegen zu nehmen. Zur Feier des Tages gibt es einen Martini und eine große Flasche Wasser für den Durst. Dann trauen wir uns: „Entschuldigen Sie, wir sind zum ersten Mal bei Ihnen und wir würden gerne etwas typisch afghanisches Essen. Leider wissen wir nicht so recht was.“ Die Kellnerin kennt dieses Problem anscheinend und sucht verständnisvoll in der Karte „Diese Vorspeisenplatte könnten sie als ersten Gang nehmen, sie ist zwar nur für eine Person reicht aber vollkommen für zwei aus.“ Als die Vorspeise kommt können wir unseren Augen nicht trauen. Die Speisen sind nicht nur schön angerichtet. Der scharfe Kürbis ist für mich, die ich Kürbis sonst nur als Suppe gerne esse, ein Geschmackserlebnis. Der eigentlich süße Kürbis wird in einer leicht scharfen Soße gereicht, einfach toll. Außerdem finden sich hervorragende Auberginenröllchen auf dem Teller. Auf einem zweiten Teller wird gebackenes Gemüse und Hähnchen serviert, dazu gibt es einen Minzjoghurt als Dip, der für mich eine Idee mehr nach Minze hätte schmecken dürfen.

Nach dieser Vorspeise können wir beide den Hauptgang nicht erwarten. Auf Anregung der Bedienung haben wir zwei unterschiedliche Gerichte bestellt, so können wir nach der Hälfte tauschen. Es kommt gegrilltes Lamm, das auf den Punkt gebraten ist. Als wir es aufschneiden und den rosa gebratenen Kern sehen, läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Außerdem gibt es gegrilltes Hähnchen, das ebenfalls vorzüglich schmeckt. Die Gewürze sind interessant und erinnern an einen Mix aus indischer und afrikanischer Küche und doch schmeckt alles ganz anders, ganz erfrischend, ganz neu. Als Beilagen bekommen wir frischen Spinat, der sich nur wenig von dem in anderen Lokalen unterscheidet, aber dennoch sehr gut ist.  Genauso war es mit den Kartoffeln, die es in einer leicht scharfen Tomatensoße mit Erbsen als Beilage gab. Alles andere als gewöhnlich waren jedoch die zwei verschiedenen Reissorten, die uns zu den jeweiligen Gerichten gebracht wurden. „In Afghanistan wird viel Reis gegessen, jedoch die typischen Reissorten sind anders als die, die sie hier kennen.“ hatte die Kellnerin uns schon bei der Bestellung erklärt. Und nun waren wir froh, dass wir diese bestellt hatten. In dem braunen Basmatireis fanden sich Weintrauben und Nüsse, er war leicht süß und trotzdem herzhaft abgeschmeckt. Doch mein Favorit war trotzdem der Safranreis auf dem zweiten Teller, der mit Nüssen verfeinert war und am Schluss eine leichte Schärfe hatte.

So sehr wir auch mit einem Nachtisch liebäugelten, bei den großen Portionen vorher war nun wirklich kein Platz mehr für einen süßen Abschluss. Leider.Wir beschlossen aber beide, dass dies nicht unser letzter Besuch um Bamyan gewesen war. Und beim nächsten Mal holen wir das mit der Nachspeis auf jeden Fall nach.

http://www.bamyan.de/

Fazit:

Parkplatzsituation: nicht gerade rosig, aber mit etwas Glück

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: 3 Minuten Fußweg von der Tramstation Müllerstraße und 8 Minuten Fußweg von der U-Bahn Station Sendlinger Tor.

Einrichtung des Lokals: nicht überladen und trotzdem so wie man es für ein afghanisches Lokal erwartet

Service: ausgezeichneter Service, sollten sich andere ein Beispiel nehmen

Preis –Leistung: gehobene Preise, aber jeden Cent wert

Freundin Bs größte Gaumenfreude an diesem Abend: Lamm mit dem dunklen Basmatireis

Meine größte Gaumenfreude an diesem Abend: der scharfe Kürbis und der Safranreis mit Lamm

Was sagen andere: Noch keine Stimmen, aber das Lokal steht auf meiner Empfehlungsliste ganz oben und bis zum nächsten Besuch dauert es sicher nicht mehr lange.

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