Hoher Kranzberg – Mittenwald

Die Sonne weckt mich an diesem Oktoberfeiertag und die Wandersachen sind im Handumdrehen gepackt. Meine Stimmung schlägt allerdings schnell um. Auf der Autobahn Richtung Garmisch Partenkirchen fahre ich in eine weiße Nebenwand. Es kann ja nur besser werden… Denkst’e! Denn heute sind mehr auf die Idee gekommen Richtung Berge zu fahren und so stehe ich im Stau.

IMG_5754In Mittenwald angekommen, scheint die Sonne und meine Laune ist wieder wunderbar. Ich habe allerdings so viel Zeit auf der Autobahn verbracht, dass ich entscheide, das erste Stück abzukürzen und mit der Sesselbahn hinauf zu fahren. Vom Sessellift aus habe ich schon einen wunderschönen Ausblick auf die Berge – diese Aussicht lässt mich auch meine Höhenangst beherrschen.

Oben angekommen wählen einige Wanderer direkt den Weg in die erste Berghütte. Doch ich habe noch nichts getan und so packe ich die Wanderstöcke aus und gehe Richtung Gipfel. 45 Minuten lang geht es auf dem Forstweg bergauf. Es wundert mich nicht, dass diese Tour als „kinderfreundlich“ eingestuft ist. Sie ist schön zu gehen und deshalb wohl auch sehr begehrt. Für mich: Fluch und Segen zugleich. Die Herzlichkeit der Wanderer untereinander geht auf diesem Berg leider etwas verloren. Mittenwald hat mit Geopfad, Barfuss-Wanderweg und und und wirklich viele Anreize geschaffen um den hohen Kanzberg zu beleben. Das unter Wanderern übliche grüßen, fällt hier allerdings weg. Wenn ich dann doch grüße, weil es sich für mich einfach so gehört, ernte ich unverständige Blicke. Auf mein „Grüß Gott“ entgegnen ein „Sandalen-Wanderer“ ein hämisches „wenn ich ihn sehe“. Den Gedanken „typisch Preuße“ kann ich mir hier nicht verkneifen. Denn erstens grüßt man sich in den Bergen und zweitens ist in Bayern das „Grüß Gott“ ganz alltäglich. Und auch wenn es pathetisch klingt, wie kann man bei solch einem atemberaubenden Anblick der Berge nicht ein Bisschen ehrfürchtig sein und muss solche Sprüche klopfen. Dieser Gedanke begleitet mich bis hinauf zum Gipfel.

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Wenige Meter unter dem Gipfel gibt es noch eine Einkehrmöglichkeit. Doch ich will auf den Gipfel. Und so lege ich auch noch die letzten Meter zurück und werde mit einem traumhaften Blick auf den Karwendel belohnt. Ich kann sogar hinüber zum Jochberg schauen, den ich vor wenigen Wochen erwandert habe. Mit etwas Glück ergattere ich einen der beliebten Plätze auf den Sonnenliegen. Dort packe ich in Ruhe meine Brotzeit aus und genieße einfach nur.

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Bei dieser Tour heute ist aber der Abstieg laut Tourenplan nicht nur länger sondern auch sehenswerter. Und so schäle ich mich aus der bequemen Sonnenliege und mache mich auf den Weg. Durch den Wald geht es hinunter und langsam werden auch die Wanderer weniger, die den gleichen Weg gewählt haben wie ich. Nach gut einer Stunde bin ich am Forchensee angekommen. Ein wunderschöner See im Schatten des überragenden Berges. Große Fische schwimmen weit ans Ufer und warten darauf, dass Besucher des Biergartens, der direkt am See ist, etwas Brot ins Wasser werfen. Wenn man sich die Fische so ansieht, funktioniert diese Taktik mit den Besuchern hervorragend. Für mich ist im Biergarten kein Platz frei und so entschließe ich nur ein paar Fotos zu schießen und erst am zweiten See eine Rast zu machen

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Gut eine halbe Stunde geht man zum Lautersee. Und dieser ist ebenso idyllisch, wie der Forchensee. Jetzt gönne ich mir aber ein Stück Kuchen und einen Kaffee. Und wieder genieße ich die Oktobersonne und den wunderschönen Blick. Doch auch hier hat der Ausflug nicht wirklich etwas mit dem Wandern zu tun, das ich so sehr schätze. Wo es auf einer Berghütte kein Problem darstellt, wenn man sich als „Allein-Wanderer“ zu einer Gruppe setzt, scheint es hier völlig unangebracht. Das macht aber nichts. Mein Kaffee und der selbst gebackene Kuchen schmecken dennoch!IMG_5804

Die letzten Meter geht es dann auf dem Geopfad Richtung Parkplatz zurück. Beim sog. Steingarten biege ich noch zur rechts ab. Dies ist wohl ein Geheimtipp, denn ich bin dort alleine. Man sieht den Wasserfall auf der anderen Seite einer Schlucht. Nur noch ein paar Meter, dann bin ich wieder am Auto und glücklich, weil es ein perfekter Tag in den Bergen war, obwohl viele Mitwanderer unterwegs waren.

Höhenangaben: Kranzberg Sessellift (980m) – hoher Kranzberg (1391m) – Forchensee (1060m) – Lautersee (1013m) – Sessellift (980m)

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