Ich bin ein „Bastel-Legastheniker“ – oder?

Handwerklich bin ich begabt, aber Basteleien, Stricken oder Häkeln gehören leider nicht zu meinen Stärken. Ich selbst bezeichne mich immer als „Bastel-Legastheniker“ und bewundere deshalb umso mehr Menschen, die hierfür ein Händchen haben. Und trotzdem oder gerade deswegen wollte ich mich im Urlaub genau dieser Herausforderung stellen. Ich durfte bei Freundin C. mit in die Werkstatt gehen und kreativ sein. Sie ist ihres Zeichens gelernte Keramikerin und hat einen eigenen Laden. „Fang einfach an.“ sagt sie zu mir. Aber womit? Ich habe noch kein Konzept, keine Idee, keinen Anfang. In ihrer Werkstatt sitzend und quatschend habe ich dann begonnen den dunklen Ton zu kneten und formen. Ich klebte hier etwas an, nahm hier etwas Ton weg. Ich modellierte Beine, befand sie als zu klein und machte neue. Nach zwei Stunden war ich plötzlich fertig. Das sitzt sie nun meine Figur. Sie blickt etwas skeptisch drein, aber das macht nichts. Denn ich bin zufrieden.IMG_2350

An Tag zwei geht es dann an die Drehscheibe. Ich hatte es fast schon erwartet „So einfach wie in den bekannten Hollywoodstreifen, ist es einfach nicht.“ Alleine den Tonklumpen zu zentrieren, kostet Kraft und Mühe und treibt mich fast zur Verzweiflung. Immer wenn ich kurz davor bin, dass es der Ton ruhig auf der Drehscheibe läuft, mache ich eine falsche Bewegung und es geht von vorne los. Dann die Öffnung. Ich höre noch „Langsam mit dem Daumen ein Loch hinein machen, aber pass auf, dass der Boden ganz blei…“ zu spät. Ich bin mit dem Finger bereits auf der Drehscheibe. Mit ein zwei Handgriffen hat Freundin C. das wieder repariert… Gelernt ist eben gelernt. Jetzt aber mehr Konzentration, der Ehrgeiz hat mich gepackt. Ich will etwas brauchbares schaffen. Es läuft, ich denke nur noch an den Ton zwischen meinen Händen und versuche umzusetzen was C. mir sagt. Zwei Gefässe entstehen so. Natürlich hat C. gewaltig geholfen, aber hey ich bin trotzdem stolz. Ich beschließe es wird Zuckerdose und Milchkännchen.

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Etwas neidisch habe ich immer auf die Werke von Freundin C. geschaut. Mit ihren Händen und dem Werkstoff Ton stellt sie nicht nur Nützliches sondern einfach auch „nur“ Schönes her. Ich liebe es meinen Morgenkaffee aus einer Tasse von ihr zu trinken, weil ich weiß, dass sie sich bei jeder Tasse Gedanken macht. Mit ihren Händen formt sie die Tasse, sie entwirft und gestaltet das Dekor und fiebert bei jedem Brennvorgang mit, ob alles gut gehen mag. Ich habe immer das Gefühl, es ist ein Stück von ihr selbst, wenn ich eines Ihrer Werkstücke in der Hand habe. Sicher empfinde ich das so, weil ich zu Freundin C. eine tiefe Freundschaft habe. Und doch wünsche ich mir für mich und meine Arbeit genau die gleiche Verbundenheit. Wenn jemand meine Arbeit sieht und mich dahinter erkennen kann, dann habe ich mein Ziel erreicht.

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