Im Dunkeln ist gut Kirschenessen – Dinner in the dark (München)

Ein Restaurantbesuch der besonderen Art hat uns an diesem Januar Abend erwartet. Beinahe wären wir am Casa Lavecchia vorbeigefahren, ein kleines unscheinbares Lokal in der Münchner Sankt Martin Straße. Doch wir waren nicht die einzigen, die sich auf ihr „Dinner in the dark“ freuten.

IMG_2787

Nach einem herzlichen Empfang, legten wir schnell die Jacken ab, dann konnte das kulinarische Abenteuer beginnen. Bevor wir unserem Kellner folgten, der uns mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet zum Platz bringen sollte, bekamen wir eine kurze Einweisung. „Die Tische sind bereits gedeckt auf der rechten Seite finden Sie das Besteck und darüber die Gläser, eines für’s Wasser eines für den Wein. In der Mitte des Tisches steht eine Wasserkaraffe, sowie eine Flasche Rot- und eine Flasche Weißwein und daneben ein Brotkorb. Auf der linken Seite steht der Aperitif und dann schon die Vorspeisen, eine Suppe aus dem Glas (zum Essen mit Strohhalm) um zwei Salate. Viel Spaß!“

Wie bei einer Polonaise hingen wir uns an unseren Kellner, der uns ins stockdunkle nichts führte. Freundin J und ich sitzen nebeneinander und sehen nichts, wir hören nur, wie der Kellner Einen nach dem Anderen in den Raum führt. Wieviele Leute es sind, wie groß der Raum ist, wo er alle hinsetzt, all das können wir bestenfalls erahnen. Wir ertasten und erfühlen unseren Platz und als wir alles einigermaßen gefunden haben, entschließen wir Rotwein zu trinken. Die nicht gekühlte Flasche soll es sein, doch wer schenkt uns ein. Das müssen wir wohl selbst machen. Beherzt greifen wir zur Flasche stecken den Finger ins Glas und füllen es… Sieht bestimmt nicht schön aus, aber uns sieht ja niemand. Darüber bin ich im Laufe des Abends zunehmend froh.

Es werden immer noch Gäste hereingeführt, aber wir haben schon so hunger, dass wir mit der Suppe starten. Es ist eine kalte Joghurt-Gurken-Suppe. Schmeckt etwas wie Tsatsiki, höre ich von rechts neben mir, Freundin J. hat das Glas auch schon gefunden. Wir schlürfen die Suppe und freuen uns, dass es doch gar nicht so schwer ist im Dunkeln zu essen. Das wird gleich bei den Salaten widerlegt. Zwei Salate stehen auf der linken Seite, den einen identifizieren wir als Linsensalat beim anderen kommen wir schnell drauf, dass es sich wohl um Couscous handeln muss.

Wir sind stolz, dass unsere Geschmacksnerven so gut funktionieren und genießen die Vorspeise, immer wieder fragen wir uns, was wir gerade auf der Gabel haben, von mir kommt ab und an auch ein „nichts“ in Richtung meiner Begleitung. Denn etwas auf die Gabel zu bekommen und es dann auch noch unfallfrei zum Mund zu führen, stellt eine gewisse Herausforderung da. Aber irgendwann sind unsere Teller leer, das denken wir zumindest…

Bei der zugegeben sehr langen Wartezeit auf den Hauptgang, haben Freundin J und ich das für uns eigentlich Schwierigste am „Dinner in the dark“ festgestellt. Die eingeschränkten Gespräche, die man führen kann. Denn schließlich weiß man nicht, mit wem man gerade am Tisch sitzt. Wenn man eng befreundet ist, ist es schwer einen Abend nur mit Smalltalk rumzubringen. Endlich wurden wir vom Hauptgang in den vorsichtigen Gesprächen über Schuhe und aktuelle Themen unterbrochen. Freundin J hatte Fisch, ich Fleisch als Hauptgang. Beides war lecker, wenn auch schwer zu essen, denn die Beilage, ein Püree, war nicht so ohne weiteres auf die Gabel zu bekommen. Das Fleisch war nicht außergewöhnlich aber durchaus schmackhaft und auch der Fisch von Freundin J war gut. Ein tolles Zucchini-Gemüse rundete den Hauptgang ab. Und wieder waren wir stolz auf uns, alles auch im Dunkeln erkannt zu haben, doch ob wir wirklich das gegessen haben, was wir uns ausgemalt hatten, das würden wir erst nach der Nachspeise erfahren.

Die Nachspeise war ein traumhafter Schokoladenkuchen mit einem Kirsch-Beeren-Fruchtspiegel. Langsam hatte ich mich daran gewohnt die Finger zu Hilfe zu nehmen. Wir malten uns bereits aus, wie wohl der Tisch aussehen würde, da wir beide vermuteten, dass einiges daneben ging. Aber als die Kellner nach dem Desert mit Teelichtern das sprichwörtliche „Licht ins Dunkel“ brachten, waren wir überrascht wie gut wir uns geschlagen hatten.

IMG_2784

Als wir uns aus dem Casa Lavecchia verabschiedeten konnten wir uns genau ansehen, was es zu essen gab und uns wurde jeder Gang erklärt. Und wir freuten uns sehr darüber, dass wir die meisten Zutaten richtig erkannt hatten.

Advertisements

3 Gedanken zu “Im Dunkeln ist gut Kirschenessen – Dinner in the dark (München)

  1. Das ist ja mal interessant !! Gab es keine Zwischenrufe so von Tisch zu Tisch ? Sicher eine nette Erfahrung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s