Der frühe Vogel… zwitschert schön

Es ist still. Die Welt schläft noch. Ein Bisschen Nebel liegt wie ein Schleier über den Feldern.  Diese Stimmung ist es, die ich am liebsten mag.  Mein Papa ist Jäger. Und wenn ich ihn besuche, nimmt er mich mit zur Jagd.  Dann stehen wir noch weit vor Sonnenaufgang – ganz früh auf, ziehen uns warm an und setzen uns auf einen Hochsitz in seinem Revier. Wir sitzen da, schweigen und schauen der Welt zu, wie sie erwacht.

Hochsitz

Nach dem anfänglichen Lärm, den wir beim Hinaufsteigen auf den Hochsitz gemacht haben, wird es wieder still.  Hier und da raschelt etwas – doch es ist kein Reh oder Wildschwein. Oft ist es nur ein Igel, der sich im Dickicht bewegt, oder ein Ast, der herunterfällt. Meist lässt sich die Quelle des Geräusches noch nicht einmal ausmachen. Und wir? Wir sitzen einfach nur da und genießen die Ruhe. In diesen Momenten können wir unseren Gedanken nachhängen. Noch schläft die Welt um uns. Wir sitzen einfach nur da. Und obwohl wir kaum ein Wort wechseln, sind wir uns nah. Wir genießen die Zweisamkeit, unsere Vater-Tochter-Zeit.

In kurzen Sätzen flüstert Papa manchmal ein paar Erklärungen. Wie, dass man eine Eule im Flug nicht hört. Oder, dass man es abspringen nennt, wenn ein Reh plötzlich in den Wald rennt, weil es uns „im Wind“ hatte. Ausführliche Erklärungen gibt es dann erst zuhause beim Frühstück. Aber soweit sind wir noch nicht, es dämmert gerade erst.

Jetzt kurz vor Sonnenaufgang haben wir die besten Chancen Rehe zu sehen. Und nein, mein Papa schießt nicht einfach auf jedes Reh, dass seinen Weg kreuzt. Oft sitzen wir auch nur da und schauen ihnen beim äsen zu. Es sind wunderschöne Tiere. Noch hat er nicht geschossen, wenn ich mit ihm auf Ansitz bin. Ich muss aber gestehen, ich hätte kein Problem damit. Weil ich eben weiß, dass es mein Vater bei der Jagd nicht um das Töten der Tiere geht. Und weil ich weiß, dass ein Tier sterben muss, wenn ich Fleisch auf meinem Teller haben will. Klar verstehe ich auch die Argumente, die gegen die Jagd sprechen. Doch ich für mich habe entschieden, dass ich lieber Fleisch von einem Tier esse, das ein glückliches Leben in der freien Natur hatte und das nicht voll Adrenalin in einem Schlachthof ums Leben gekommen ist. Wie gesagt, hier soll, kann und muss vielleicht jeder seine eigene Meinung haben und auch haben dürfen.

Über solche Dinge mache ich mir Gedanken, wenn ich da sitze und das „Guten Morgen Konzert“ der Natur beginnt. Es ist, als ob plötzlich ein Dirigent seine Arbeit begonnen hätte. Keiner der Vögel verpasst seinen Einsatz, nach und nach begrüßen sie mit eifrigem Gezwitscher den neuen Tag. Die kleinen Nebelbänke verziehen sich langsam, die Sonne steigt über die Baumwipfel und der Tau im Gras glitzert in unsere Richtung. Plötzlich ist die Welt nicht mehr schwarz weiß.

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Nun reicht ein Blick: die Stille des Morgens ist weg, der Alltag hat uns auch an dieses Mal eingeholt und das einzige was wir nun noch wollen, ist einen heißen Kaffee und eine frische Butterbreze.

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