Aus alt mach neu

Zentimeter hoch liegt der Staub auf dem alten Küchenbuffet, das gerade als Regal in der Garage verwendet wird. Damals als es angeschafft wurde, war es viel wert. Die Familie musste sparen um sich das Möbelstück leisten zu können. Und heute steht es in der Garage, völlig in Vergessenheit geraden und dient nur noch den Holzwürmern als Unterschlupf. Bis meine Mama und ich es entdeckt und uns spontan verliebt haben. Das ist die Lösung für meinen Platzmangel in der Küche! Doch der Mann meiner Mama war skeptisch: „Unser altes Küchenbuffet? Echt jetzt? Wenn ihr meint….“

Als wir es uns zum ersten Mal genauer angesehen haben, wussten wir dann, was er meint. Der Holzwurm hatte zumindest am Boden schon gute Arbeit geleistet. „Das wird ein ganz schönes Stück Arbeit, aber ich bin mir sicher es lohnt sich“, hört ich meine Mama noch sagen und schon begannen wir mit dem Ausräumen und Sauber machen. Schneller als ich mich versah, fand ich mich in Arbeitsklamotten in der Garage meiner Mama wieder. Wir mussten das Schmuckstück erstmal von den Lack-Resten der vergangenen Jahrzehnte befreien und mit dem „Wurmtod“ die noch letzten verbleibenden Holzwürmer zu vertreiben. Ich will ja später nur einen neuen Schrank, keine neuen Haustiere. Vor den nächsten Arbeitsschritten hieß es nun warten, trocken lassen, warten.

Ganz ohne Lack war das Küchenbuffet noch viel schöner, als ich gedacht hatte. Und dieser Meinung war auch der Schreiner, den wir gebeten hatten uns den Boden auszutauschen. Völlig hin und weg umkreiste er das Buffet und meinte, dass man das gute Stück gut auf dem Flohmarkt verkaufen könnte. Aber das wollen wir natürlich nicht, ich will es in meiner Küche haben und damit wieder einen Teil Familiengeschichte für mich bewahren. Der Schreiner hat das Schmuchstück mitgenommen, den Boden und die Arbeitsplatte ersetzt und uns dann wieder vorbei gebracht.

„Nun kommt die anstrengendste Arbeit“, machte mir meine Mama Mut, „Wir müssen das Möbelstück jetzt schleifen.“ Jeden Zentimeter sind wir mit den Handschleifer abgefahren, haben dem Holz quasi ein Peeling verpasst. Abends war das Möbelstück zwar abgeschliffen, aber uns tat alles weh. Ich konnte mein Geschirr schon eingeräumt im Schrank sehen. Doch davor galt es noch die Hinterlassenschaften des Holzwurms etwas zu Kaschieren. Mit einem speziellen Holzkitt, Modellierbesteck und einem ruhigen Händchen versuchte ich die Kerben, die die Holzwürmer hinterlassen hatten, zu füllen.  Wieder trocken lassen, wieder warten…

Mit viel Liebe habe ich im letzten Schritt den kompletten Schrank einige Wochen später mit Leinöl behandelt. Wir haben eines mit etwas Farbe genommen, da der Schrank sonst vermutlich ein Bisschen grau geblieben wäre. Jetzt hat er ein wenig Farbe bekommen und erstrahlt fast in neuem Glanz. Und wieder tat mir Abends der Arm weh – ich musste Lachen, denn dabei ist mir ein Spruch meiner Oma eingefallen: „Was du von deinen Väter geerbt – erwirb es, um es zu besitzen“. Ich hatte den Schrank von der Familie meines Stiefvaters geschenkt bekommen und doch habe ich langsam das Gefühl, dass ich ihn mir erworben habe.

Die letzte Hürde haben wir an diesem 2. Adventswochenende genommen, der Schrank steht an seinem neuen Platz. Es war gar nicht so leicht ihn in den ersten Stock zu bekommen, denn er ist richtig schwer – eben nicht IKEA. Aber jetzt, wo er so an seinem neuen Platz steht, eingeräumt mit meinen Sachen, weiß ich, dass es sich gelohnt hat. Und jetzt mache ich mir eine schöne Tasse Tee, esse ein paar selbst gebackene Plätzchen und freue mich über mein neues Möbelstück.

Küchenbuffet

 

 

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